Tanaka Bundeslehrgang Greven 2011



Weltklasse gleich um die Ecke
Lehrgang mit Bundestrainer Akio Nagai Shihan und Tanaka Sensei
in Greven am 19.-20.03.2011
 
Ein abgefahrener Zug
Knapp mehr als 100 Karateka aus ganz Deutschland fanden sich in Greven ein, um Ihren Pflichtlehrgang abzuholen für die nächste Prüfung, ihre Freunde aus den anderen Dojo´s wieder zutreffen, einfach dabei zu sein, ein geiles Training wahrzunehmen oder um Karate in Reinkultur zu erfahren.
Schon die erste sehr simple Technik, die Tanaka Sensei vorführt – ein Fauststoß Tsuki gefolgt von einem Oraken – zeigt deutlich den Unterschied der Bewegung zwischen Profi und Amateur. Ich bin mir nicht sicher, ob mir diese Differenz schon immer so deutlich ins Auge sprang. Häufig habe ich mit Mitte 20 die Vermessenheit besessen das Ganze damit abzutun, dass mit ein bisschen mehr Training ein vergleichbares Niveau zu erreichen wäre. Jetzt nach mehr als 25 Jahren Karate wird mir immer bewusster wie viel mehr Training, wie viel mehr Schweiß und aufgeplatzte Blutblasen an den Füssen nötig wären, um das Niveau zu erreichen. Aber heute ist der Zug abgefahren … schon gar nicht mehr in Sicht.
 
Ein Flugticket nach Japan
Edzard (23 Jahre) versucht gerade auf diesen aufzuspringen. Er ist der dritte „bagga gaijin“ (Dummer Ausländer), der als Nicht-Japaner in Japan an der Tokudai Universität Karate studiert - und natürlich seinen Bachelor in Wirtschafts-BWL-irgendwas macht. Der Tsunami gefolgt von der Gefahr eines Tschernobyl-Supergaus hält ihn derzeit davon ab wieder ins Flugzeug zurück zu steigen. „Allein das Ticket nach Deutschland hat € 2.000 gekostet, und einen Tag später € 3.000. Heute kostet es € 7.000, wenn überhaupt noch was fliegt“, gibt er zur aktuellen Situation von sich.
Die Dojo´s in Tokio sind geschlossen und der Campus auch. Somit verpasst er derzeit zumindest nichts. Aber ich spüre seine Unruhe, die ihn zurück zieht. Er denkt an seine Freunde, berichtet mir beim Bier von seinen Mitschülern und den Sempeis (höhere Schüler). Typisch japanisch hält er das Bier beim Zuprosten mit zwei Händen, eine Hand am Henkel, eine stützt von unten.
 
OSS – Anstürmen und Ertragen
Ich spüre, dass das Gespräch den ganzen Abend dauern könnte und er erklärt mir wie die Uni aufgebaut ist. Ähnlich einer Schule gibt es Jahrgänge. Der Unterschied zu uns ist, dass sich die klare Hierarchie hieran orientiert. Seine Mitschüler sind mit ihm auf einer Ebene. Die Schüler der „Klasse“ über ihm sind die Sempais.
Weiterhin zählt in der Hierarchie das Alter und zuletzt wem Du schon die „Fresse poliert hast“ (Das ist ein Zitat – sonst würde ich so etwas niemals schreiben.). Fazit: Als junger Bengel, der gerade angekommen ist und ergo noch nicht fightet wie John Rambo, um das zu lernen bist du ja gekommen, bist du eine Wurst und wirst als solche auch behandelt. Beim Training gibt es schon als Japaner genug Schläge und als blonder Europäer mit lückenhafter Sprache gibt es sicherlich noch ein Sahnehäubchen obendrauf.
Wie einsam muss er sich anfangs gefühlt haben? Du verstehst keine Sau und tagsüber beziehst Du Prügel.
Hieran wird die Bedeutung der beiden Kanji (jap. Schriftzeichen) für unsere Begrüßung unter Karateka „OSS“ deutlich: Anstürmen und Ertragen. Du musst immer wieder aufstehen und anstürmen, deine Probleme angehen, und die Rückschläge ertragen.
 
Sempai
Vorsichtig gibt er auf mein Stochern hin zu, dass er den Sempais mehr oder weniger ausgeliefert ist. Er muss alles für sie tun, bedient sie und darf erst essen, wenn diese fertig sind - auch im Restaurant. Angesprochen wird es nicht so deutlich von ihm. Vermutlich wittert er westlich geprägten Spott von meiner Seite ob solcher uralten verkrusteten Gesellschaftsstrukturen. Diese sind in Japan aber durchaus aktuell. Wichtig ist ihm der Hinweis in diesem Kreis immer genug zu bekommen, satt zu werden und nie bezahlen zu müssen. Obwohl er auch mal´ne Runde bezahlen wollte, hat man das zurück gewiesen. Es wäre so in Ordnung. Offensichtlich steht man einerseits unter dem Scheffel und andererseits unter einem Schutz.
 
Training
Ganz anders beim Training. „Hier geht es ums Überleben und nicht um einen Wettkampfpunkt.“. Dann zeigt er mir die Bilder, die Marco während seiner Japanreise von dem Jubiläum der Takudai-Universität aufgenommen hatte. „Der Kleine da hat noch ein paar auf die Fresse gut von mir:“ Klar, einer der Gründe, warum er unbedingt zurück muss.
Während ich mir also Sorgen um seine anfängliche Einsamkeit mache, scheint er diese Phase längst überwunden zu haben. Seit einem Jahr ist er nun an der Takudai.
  • Die Takushoku-Universität (jap. ja-Hani | 拓殖大学, Takushoku daigaku, kurz: Takudai (ja-Hani | 拓大) ist eine private Universität in Japan .
Zuerst musste er 12 Monate in einem „normalen Dojo“ trainieren und die Sprache lernen. Welch eine Leidensgeschichte! Ich beneide ihn schon um dieses normale Dojo in Japan und er ist schon ganz Takushoku Veteran. Diese Jugend von heute.
 
Sprache und Japan
 „Die fluchen da und sprechen ganz anders als Du das in der Sprachschule lernst.“ Mit seinem Schuljapanisch kam er nicht weit. Japaner und fluchen? Das kennt man von Südländern allen voran den Italienern … aber Japaner!?
Ok, unseren Bundestrainer und Sensei Akio Nagai habe ich schon mal ungehalten erlebt. Während man sonst durchaus seine Nähe sucht will man in dem Moment unwillkürlich ein paar Meter und Hindernisse zwischen sich und ihm bringen. Aber fluchen habe ich ihn noch nicht hören. Ich kann mir auch nicht vorstellen, wie Karateka von solchem Format wie Shinji Tanaka Sensei fluchen. Und solche sollen dort in dem Dojo durchaus keinen Seltenheitswert haben. Da hat sich Edzard ein hohes Ziel gesetzt mit denen mitzuhalten.
 
Madonna spielt in Münster und keiner geht hin (… aus Beelen)
Anders als so manch ein Karateschüler aus dem Großraum Warendorf Richtung Clarholz. Die Ziele sind gemeint. Wohlgemerkt handelte es sich nicht um einen Prüfungslehrgang wie er demnächst in Beelen stattfinden wird. Die unterschiedlichste Empfehlung für diverse Farbgürtel bei den unter der Rubrik „Termine“ zusammengefassten Lehrgänge ist bewusst gekürzt und soll dem knappen Budget von Schülern Rechnung tragen. Die Tatsache, dass zu bestimmten Prüfungen manche Pflichtlehrgänge absolviert werden müssen, zahlt auf diese, dann nicht mehr Empfehlung, sondern Mindestanforderung ein.
Während Tobias (Braungürtel), Steffen und Alex (beide Violett) der Empfehlung nachkommen, fehlen eine ganze Reihe von Braun- und Violettgürteln. Sie verpassen die Chance eine Koryphäe, die am anderen Ende der Welt wohnt, 30 km von der eigenen Haustür entfernt zu erleben.
 
Ernte
Es gibt eine uralte genauso unpopuläre wie wahre Bauernweisheiten: „Wer im Frühling das Feld nicht bestellt, wird im Herbst nicht ernten.“. Aber vielleicht ist dem einen oder anderen die Ernte egal.
Dann reicht eine Stunde je Trainingstag und man muss keine besonderen Lehrgänge absolvieren oder sich an Meisterschaften versuchen. Auf der anderen Seite ist es dann aber nur folgerichtig, wenn die Erwartung auf ein Prüfungsergebnis „A“ oder ein Erfolg auf einer Meisterschaft ausbleibt. Dann macht es Sinn.
Mir drängt sich allerdings der Verdacht auf, dass genau dieser – der sportliche Erfolg -aber gewollt und bewundert wird. Vielleicht muss sich jeder noch einmal über die eigenen Wünsche und Ziele klar werden – und darüber was man dafür im Frühjahr einsäen muss.
TOMO = Gemeinschaft
 
TOMO TRAINING in 2017 und 2018

11.11.2017: Taiyo (Herford)
20.01.2018: HOJO (Beelen/Gütersloh)
21.04.2018: YODO (Ostbevern)
23.06.2018: TOMO CUP
10.11.2018: Taiyo (Herford)
Genaueres unter Termine!
Sensei Shugo: Münsterland / OWL
 
Regionales Dojoleiter-Treffen (4):

Wann: Dezember 2017
Wo: Münsterland / OWL
TOMO CUP
 
Ausrichter: Dojo noch in Klärung
Ort: noch in Klärung
Datum: 23. Juni 2018
 
100215 Besucher besuchten unsere Homepage