Sommerlehrgang 2009

Sommerlehrgang mit Bundestrainer Akio Nagai Shihan (8.Dan) und Manabu Murakami (6.Dan) in Auerbach

 

Alles in Kürze: Eine Pressemitteilung

Über 200 Karateka aus Deutschland, Spanien und der Schweiz trafen sich am 16.-19.07. 2009 in Auerbach zum Sommerlehrgang. Höhepunkt für den Verband war die Auszeichnung der vier engagiertesten Karateka und Würdenträger des SKID: Eugen Landgraf, Reinhard Nawe, Uwe und Alexander Schifferer. Höhepunkt für die zehn angereisten Karateka aus Beelen war das mit Spannung erwartete Training bei dem Trainerduo Bundestrainer Sensei Nagai (8. DAN) und dem mehrfachen Weltmeister Manabu Murakami (6. DAN); und natürlich die Prüfung zum 2.Dan von Vereinsmitglied und Co-Trainer Thomas Steiling.

Das Dojo Takeda hatte einen exzellent ausgerichteten Sommerlehrgang in der Waldpark Grünheide, einem perfekten Sportlergelände, in Auerbach ausgerichtet …

 

… wo ist eigentlich Auerbach?

Du denkst, das kann ja so weit nicht sein - dieses Auerbach bei Zwickau. Man setzt sich halt ins Auto und spult die vom Navi angezeigten 500 km runter.

Tjaaaa, allerdings kommen wir aus einer ungünstigen Richtung und 80 km vor dem Ziel (gefühlte 300)  hört für uns die Autobahn auf. Eine schier endlose Kurverei durch landschaftlich ansprechende und beschauliche Örtchen wie Löffelchen reihen sich aneinander. (Anderes Besteck haben wir ausgelassen.) Nur Zwickau ist nicht in Sicht. Als das Navigationssystem dann auch nur noch weiße Flecken anzeigt, weil der Soli-Zuschlag hier für neue, noch unbekannte Strassen gesorgt hat, erhält das Ganze den Charakter einer modernen Schnitzeljagt.

Aber kaum verspätet kommen wir doch zum ersten Training an. Wir haben halt die für einen Sommerlehrgang obligatorische Arie der Redner aus Sportwarten, Bürgermeistern und wem auch immer verpasst – sehr bedauerlich.


Manabu Murakami

Endlich sehen meine jüngeren Schüler den Karateka, den ich zu den ganz großen unserer heutigen Zeit zähle. Aus unserem kleinen Dojo Hojo Beelen ist fast die gesamte über 14 jährige Oberstufe angetreten. Ich hatte mich gefreut endlich mit so vielen Schülern auf einen bedeutenden Lehrgang zu fahren. Und so ziehen wir uns alle um. Naja, ich nicht. Mein Knie will immer noch nicht so wie ich wohl will. Vor acht Wochen hatte ich einen dummen Fahrradunfall und darf immer noch keinen Sport machen. Und nun schaue ich zu wie meine Schüler bei „dem Karateka schlechthin“ trainieren und ich halt nicht. Das tut weh – aber nicht im Knie.

Während Tobias, Ali, Johann, Maxi, Asja, Adem, Pia und Fabian sich erst noch aufwärmen, steigt Thomas direkt ins Geschehen ein. Tja, da wird wohl jemand nervös sein, weil eine Prüfung ansteht. Alle anderen Prüfungsanwärter haben entweder die Pflichtlehrgänge noch nicht absolviert (Tobi, Ali und Johann) oder sind noch nicht optimal vorbereitet.

 

 

Die Prüfung zum 2.Dan

Wochen der Vorbereitung hinter sich und viel Nervösität vor sich trat am Samstag Thomas zur Prüfung zum 2.Dan an. Nicht viele mussten sein Schicksal teilen. Je höher du steigst, desto weniger können dich begleiten.

Aber umso größer ist die Angst zu versagen. Hier hatte Thomas stark an sich gearbeitet. Die Kata Kankudai war ihm im Training und auf Lehrgängen immer wieder zum Verhängnis geworden. Und, wenn man erst mal dieses schwere Bündel mit sich trägt, dann wird es schwer dieses wieder abzulegen. Vor allen Dingen stellt die geistige Blockade ein fast unüberwindliches Hindernis dar. Und wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht sorgen. Aber diejenigen, die gerne mal ein freches Wort verloren, müssen erstmal da hin kommen, wo Thomas nun stand.

Das Resümee: Alles lief gut und deutlich besser als die Prüfung zum 1.Dan. Wenn jeder eine solche Steigerung von Prüfung zur Prüfung hinlegt, dann bin ich zufrieden. 

 

Anekdoten am Rande des Lehrgangs

(da ich nun mal nicht mit trainiert habe)

Den Lehrgang zum Japantag in Düsseldorf konnte ich schon nur von der Tribüne aus beobachten. Das ist maaal ganz interessant, da man die Perspektive wechselt, aber einen kompletten Sommerlehrgang zuschauen zu müssen drückt mir auf die Stimmung.

Wäre ich nicht Trainer des Dojos und müsste verbandstechnisch Präsenz zeigen, wäre ich wohl zu beiden Veranstaltungen nicht angereist. Bemerkenswert ist, dass durch die fehlende Teilnahme manche Dinge nicht so intensiv wahrgenommen werden. So hatte ich schon eine Übung von Murakami Sensei wieder vergessen als Johann davon erzählte.

Was wieder bestätigt, dass nur Übung den Meister macht. Aber einige Anekdoten vom Rande des Lehrgangs kann ich berichten.

 

Waldlauf

Bei den Wettbewerben, die dann gerne von den ausrichtenden Dojos zum besonderen  Vergnügen vom Sensei (Bundestrainer Akio Nagai Shihan, 8.Dan) veranstaltet werden, konnte Hojo II den 2. Platz beim Joggen erringen. Und Hojo I war im sauberen Mittelfeld. Ok, Hojo II bestand aus zwei Leuten von Shimazu. Wie das mit dieser Namensgebung jetzt zustande kam - komm egal, glaubt uns eh keiner. Aber was müssen sich die Shimazus auch unsern besten Waldläufer ausleihen. Diesen besten Läufer traf ich nämlich an dem Morgen, als nur normales Laufen angesagt war (bereits um 07:00 Uhr morgens !!!). Als sich Thomas dienstbeflissen aus dem Bett schälte, stapfte ich zerknittert  nach draußen zur Sanitäranlage, um einem menschlichen Bedürfnis nachzugehen. Aus verquollenen Auge erkannte ich Johann (den Waldläufer), der gut gelaunt zu mir meinte er wolle zum Aufwärmen vor dem Joggen noch ein paar Klimmzüge machen.   
  

Hä? … Ich suchte den süßlichen Geruch von gerauchtem Gras in der Luft zu erkennen, konnte aber nichts feststellen. Deswegen führte ich das merkwürdige Verhalten meines Gegenübers auf einen gemeinhin fragwürdigen Gemütszustandes zurück und widmete mich wieder wichtigeren Dingen. Pinkeln gehen.

  Der Lauf selber war unterhaltsam. Es war zwar nicht sehr nett vom Dojo Edo Berlin/München den Rest des Teilnehmerfeldes mit ca. 1,5 Minuten Abstand unglaublich zu deklassieren aber amüsant war, dass die Jungs von Tesshu sich offensichtlich verlaufen hatten. Toni-Sans lakonische Bemerkung auf die Erklärungsversuche seiner Schüler: “Jungs, ich versteh ja, dass ihr zu langsam seid, aber, dass ihr Euch verlauft begreif ich nicht!“, war ein richtiger Lacher. 


Prüfungen – Geist - Giri

Manche Dinge sind schwer zu erklären. Die traditionelle japanische Sicht auf das Verhältnis zwischen Schüler und Meister beispielsweise widerspricht so ziemlich allen Gesetzesmäßigkeiten nach denen heute in Westeuropa erzogen wird. Zumindest, wenn man die Leitsätze ohne Hintergrundverständnis losgelöst von jeglicher Diskussion plump in den Raum wirft, wirken diese sehr angestaubt bis vielleicht sogar haarsträubend.

Bei einem Gespräch im Restaurant mit Sensei Nagai und Eugen Sensei hatten wir über die Danprüfungen gesprochen. Eugen-Sensei engagierte sich, dass die Karateka der alten Garde nie nach der nächsten Prüfung gefragt hätten. Zumindest traf das auf einen gewissen Kreis zu und er bezog mich nickend mit ein. Mir war klar wen er alles meinte. Es ist dieses japanische Verständnis von Schüler und Meister. Man bittet nicht darum und versetzt den Sensei vielleicht damit in die Situation etwas Verletzendes sagen zu müssen, sondern wartet bis man diese Ehre automatisch erhält. Unser Sensei entscheidet dabei nicht nur über die rein sportliche Seite, sondern auch um die charakterliche Reife des Schülers.

Thomas hatte nicht von mir gesagt bekommen, dass er seinen 1.Dan machen soll. Sensei Nagai hatte es zu mir gesagt. Vor ein paar Jahren in Wolbeck draußen vor dem Restaurant als wir beide darauf warteten, dass sein Auto von einem Schüler geholt wurde. Ich kann mich an diese Szene noch gut erinnern, denn es bedeutete für mich eine große Ehre, dass mein erster Schüler zur Danprüfung antreten durfte. Auch die jetzige Danprüfung wurde wieder von Sensei Nagai initiiert.

Und Thomas hatte es verdient. Er ist die Konstante in der zweiten Reihe des Dojos. Ohne Ihn würde es Hojo nicht geben.

Nach heutiger oder westeuropäischer Ansicht wäre es sicher undenkbar gewesen einfach geduldig darauf zu warten, bis der Sensei zur Prüfung auffordert.

 

Konstante in der zweiten Reihe

Aber noch mal zurück. Dieses Engagement in zweiter Reihe traf nun auch auf Sylvia (?) von Nobunaga zu. Eugen Sensei berichtete im Beisein vom Nagai Sensei, dass Sie seid Jahren die Jugendarbeit im Verein übernommen hatte. Nun wurde sie herbei gerufen und ihr verkündet, sie sollte im nächsten Jahr ihren 1.Dan machen. Ich konnte mir ein freches Frotzeln nicht verkneifen und warf ein:“ Ach Sensei, besser morgen, warum so lange warten?“, wohl wissend, dass er darauf nicht eingehen würde. Aber wir kennen unseren Sensei und schmunzelnd stieg er darauf ein. Allerdings durchschaute Sylvia das böse Spiel nicht und wurde bleich. Am nächsten Tag berichtete sie mir sie hatte in den letzten Jahren ihre ganze Energie auf das Training der kleinen Nachwuchskarateka bei Nobunaga konzentriert. Damit verblieb ihr nicht der Komfort für sich etwas zu tun. Zeit ist ein begrenztes Gut.  

Da ich ein schlechtes Namensgedächtnis habe, bin ich mir bei dem Namen nicht sicher und wollte den Namen über die Internetseite erfahren. Dort ist dieser nicht hinterlegt.

Ich will den Glanz der vier geehrten und ganz besonderen Karateka nicht schmälern. Keineswegs! Ich will nur auf diejenigen hinweisen, die die Konstante in der 2. Reihe sind und nur durch ihr stetes Engagement ein solches Dojo am Leben erhalten. Aber deren Namen werden nicht erwähnt.
 

TOMO = Gemeinschaft
 
TOMO TRAINING in 2017 und 2018

11.11.2017: Taiyo (Herford)
20.01.2018: HOJO (Beelen/Gütersloh)
21.04.2018: YODO (Ostbevern)
23.06.2018: TOMO CUP
10.11.2018: Taiyo (Herford)
Genaueres unter Termine!
Sensei Shugo: Münsterland / OWL
 
Regionales Dojoleiter-Treffen (4):

Wann: Dezember 2017
Wo: Münsterland / OWL
TOMO CUP
 
Ausrichter: Dojo noch in Klärung
Ort: noch in Klärung
Datum: 23. Juni 2018
 
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