Sommer LG mit Aragane 2011
Sommerlehrgang mit Bundestrainer Akio Nagai Shihan (8.Dan) und Aragane (7.Dan) in Saarburg
 
Ich sitze am Strand
Der Lehrgang ist lang vorbei. Wochen des Stress u.a. durch Urlaubsvertretungen von Kollegen liegen hinter und 2 Wochen Italien vor mir. Endlich komme ich am Strand des Mittelmeers bei sommerlicher Hitzewelle zur Ruhe. Das hört sich an als ob ich dort alleine sitze. Nun, nicht ganz. Das was die Deutschen mit Ihren Legebatterien von Hühnerställen organisatorisch so erfolgreich optimiert haben, praktizieren die Italiener am Strand zwischen Trieste und Venedig nicht viel anders. Mein grün-gelber Schirm steht auf der Höhe bei Bibione in Settore 25, Reihe 17 auf Platz 174. Dort darf ich mein Ei legen.
Um mich herum erklingen alle Dialekte Deutschlands. Also quasi wie auf dem Lehrgang. Auch der Tanz über den viel zu heißen Sand erzeugt ein Brennen unter den Sohlen, welcher Erinnerungen an eben solchen weckt.
 
Aragene
Aber von vorn. Als das 1. Training begann und Aragane Sensei uns erst die Fäuste langsam schließen lies, um dann in einen Tsuki (Fauststoss) überzugehen, verdrehte ich innerlich die Augen. Erwartend, dass nur irgendein Grundschul-Einführungs-Karate-Kurs vor mir stand, war ich enttäuscht. Dem war allerdings nicht der Fall.
Aragane Sensei verstand es seine Einheiten sauber aufzubauen. Fingen die Übungen mit einfachen Techniken auch an, so steigerte er den Schwierigkeitsgrad peu á peu. Es gipfelte in einer Partnerübung, wo jemand mit Mae-geri (Fußtritt gerade nach vorne) angreift und der Verteidiger sich an dieser Technik elegant vorbeischlängelt, um hinter den Angreifer zu kommen und zu kontern. Auch Übungen, wo der Verteidiger seinen Gegner zu Boden wirft waren dabei. Also durchaus motorisch anspruchsvolle Techniken. Sicher – man hat alles schon einmal gesehen. Wenn man lange genug dabei ist oder sich auf Youtube tummelt, kann einen nur wenig überraschen. Letztendlich ist auch Kampfsport begrenzt.
Aber dennoch haben Konzept und Umsetzung gepasst und überzeugt. So manch einer von uns, der oder die sonst immer vorne steht, kann sich hiervon eine gehörige Scheibe abschneiden. Da bin ich mir sicher.
Das Training klammerte die Kondition nicht aus. Wenn er stoisch zum Warm-Up seine verwirrende Kombination aus Fußtritten und Richtungswechseln einforderte, war das schwindelerregend und schweißtreibend.
Nachdem er dem Kumite (Freikampf) am ersten Tag den Vorrang gab, folgte am 2. die Kata (Schattenboxen). In meiner 27 Jahre währenden Karatepraxis habe ich es noch nie erlebt, dass im SKID von einem Großmeister den Tekki-Katas derart Aufmerksamkeit gewidmet wurde. Vielleicht liegt es ja daran, dass Aragane Sensei dem JKA angehört. Am Ende habe ich gefühlte 400% meiner Tekki-Praxis auf diesem Lehrgang absolviert.  
 
Privat scheint Aragane Sensei ein sehr umgänglicher Typ ohne großartige Allüren zu sein. Während ich beim „Römer-Abend“ an seinem Tisch saß, blödelte er liebevoll mit Eugen-Seinseis kleiner Tochter herum - wie ein Großvater mit seinen Enkeln. Mir gegenüber verhielt er sich ebenso ausgelassen. Auf seine Anspielung auf – sagen wir mal – meine Körpergröße „You must have a big big Dojo?!“ reagierte ich mit vorgelehntem Körper und einem lauten „HaHaHa“, worauf er gutgelaunt einstimmte.
 
Ich habe Aragane Sensei noch aus jungen Jahren visuell vor mir. Er saß strotzend vor Selbstbewusstsein breitbeinig und –schultrig bei der Europameisterschaft 1990 auf der Tribüne (Ach ja, hatte ich schon erwähnt, dass ich damals mit der Mannschaft Europameister geworden bin?). Seine Haare standen kurz geschoren zu Berge und waren so geschnitten als hätte ihn jemand mit dem Katana (Schwert der japanischen Ritter/Samurai) um Kopflänge verfehlt aber die Haare gerade abrasiert. Das verlieh seiner breiten Erscheinung die nötige Kantigkeit, um solch ein Seemannsgarn zu glauben, wie … er hätte mal einen Mawaschi-Geri jodan (kreisrunder Tritt zum Kopf) mit der Stirn geblockt.
Nun …verrückt genug ist er sicherlich. )
 
Prüfung
Ein Highlight dieses Lehrgangs sind sicher die Prüfungen gewesen. Wann hat man schon mal eine 6. und 7.DAN Prüfung.
Man möge es mir verzeihen, wenn ich das „Kleinkraut“ übergehe und direkt in die vollen lange. Zu erst trat Toni-San an. Olli und ich mussten grinsen als er wie zu einem Wettkampf geraden Schrittes zum Platz respektive Pool marschierte. Bemerkungen wie „Das alte Rennpferd.“ Und „Wie in alten Zeiten.“ warfen wir uns vielsagenden Blickes zu. Es folgte eine blitzsaubere Unsu mit korrektem Sprung und guter Landung. Unter den Zuschauern gab es, wenn überhaupt, vielleicht eine handvoll Personen, die diesen Sprung gleichwertig geschweige denn besser hätten zeigen können. Dennoch, ich kenne seinen Sprung von vor 10-20 Jahren. Und Toni-San hatte diesen wohl auch noch im Kopf. Jedenfalls winkte er unzufrieden ab, als ich ihm in seinem Vorbeigehen einen Daumen nach oben zeigte. Ein alter Wettkämpfer ist halt nie zufrieden.
 
Nachdem Eugen Sensei ebenso seine Kata vorgeführt hatte, mussten beide ein Novum im S.K.I.D. dem Prüfungsgremium anbieten: Kata mit Bunkai-Interpretation (Anwendung der Technik mit Partner).
 
Wiederum ließ Toni-San keine Wünsche offen und zeigte unter großen Applaus technisch und sportlich hoch anspruchsvolle Kombinationen mit pulikumswirksamen Show-Einlagen. Man darf dabei nicht vergessen, dass er Familie und Beruf hat und mittlerweile auch schon 48 Jahre alt ist. Das wird immer gerne gesagt, wenn es irgendetwas zu entschuldigen gibt. Das will ich an dieser Stelle mitnichten, sondern die zusätzlichen Hürden aufführen, um die abgelieferte Leistung in ihrer Gänze zu bewerten.
 
Es folgte die Bunkai von Eugen Sensei … zum 7.Dan! Und gleich nach dem ersten Angriff seiner Partner hörte ich sein typisches stoßendes Ausatmen bei der Technik. Sicher ist es schwer nachzuvollziehen, aber in dem Moment spürte ich seine Kraft und Entschlossenheit im Angriff. In der Medizin spricht man hier vom Schmerzgedächtnis. Dies war bei mir aktiviert worden. Wenn Du mit ihm Partnertraining machst, ist es besser Du blockst vernünftig oder weichst aus. Alles andere kannst Du knicken. Denn da wo seine Faust hin will, bahnt sie sich ihren Weg. Das ist das alte Karate, klar. Aber wenn du da gepennt hast, dann kann man nur mit Arargane-Senseis einzigen deutschen Worten des Lehrgangs sagen: „Dann Pech!“.   

 
Grundsatzdiskussion
Am Ende gab es Dojo-intern eine Grundsatzdiskussion darüber, wie das traditionelle Karate überleben kann – in einer sich rasant entwickelnden Kampfsportlandschaft.
Nehmen wir einmal eine Boxkampf – also nicht den klassischen Faustkampf, sondern die Version, die im Fernsehen übertragen wird. Wenn der Kampf um 22.00 Uhr angesetzt wird, kannst Du locker eine volle Stunde verstreichen lassen, um das erste Mal prüfend rein zu zappen. Zu 95 % landest Du trotzdem noch in einem Werbeblock, einer Lightshow mit Moderatorengequassel aber nicht im Ring mit schwitzenden Kämpfern. Und wenn es soweit ist laufen ständig Statistiken über Treffer, mögliche gewonnene Runden und ähnliches mit. Dennoch hält der Moderator auch bei eindeutigem Kampfverlauf alles offen und einen Lucky Punch für durchaus möglich. Indes der besiegte Kämpfer kaum noch aus den Augen schauen kann. Die Quote muss stimmen und der Zuschauer gehalten werden für den nächsten Werbeblock. Ist der eindeutige Favorit - also der Boxer selber - sicher genug, will er dem Publikum was zeigen und strengt sich an besonders schöne Technikserien anzubieten oder sogar einen k.o. rauszuholen. Ab da sind es doch nur noch zwei Zirkuspferde, die sich zu Schau stellen und der echte Kampf gerät ins Hintertreffen.
Wird ein Sieg verzeichnet, rennt der Sieger von Ecke zu Ecke und posiert einmal kräftig. Das Getöse und die Beschimpfungen, die im Vorfeld gelaufen sind, werden hier in einer Gesamt-Show abgerundet.
Das Rezept für Einschaltquoten. Vielleicht sollten wir das für unsere Meisterschaften auch mal einführen? 
      
Beim japanischen Ringkampf, dem sog. Sumo, gab es so was nicht. Die Kämpfer haben sich weder vorher noch nachher gegenüber den Gegnern despektierlich geäußert. Ebenso wird auf Gesten des Triumphs verzichtet.
Und trotzdem alles so diszipliniert verläuft hat es dieser Sport mit einer Übertragung der vollen Turniere in unsere Fernsehlandschaft über Jahre geschafft.
Disziplin muss nicht langweilig sein.
 
TOMO = Gemeinschaft
 
TOMO TRAINING in 2017 und 2018

11.11.2017: Taiyo (Herford)
20.01.2018: HOJO (Beelen/Gütersloh)
21.04.2018: YODO (Ostbevern)
23.06.2018: TOMO CUP
10.11.2018: Taiyo (Herford)
Genaueres unter Termine!
Sensei Shugo: Münsterland / OWL
 
Regionales Dojoleiter-Treffen (4):

Wann: Dezember 2017
Wo: Münsterland / OWL
TOMO CUP
 
Ausrichter: Dojo noch in Klärung
Ort: noch in Klärung
Datum: 23. Juni 2018
 
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