Sommer LG Saarburg 2010
Sommerlehrgang mit Bundestrainer Akio Nagai Shihan (8.Dan) und Manabu Murakami (7.Dan) in Saarburg


Bild: Gemeinsam angereist: Karatekas aus Beelen und Greven
Hier Thomas in den Fängen von Michael 
 
Begriffe:
(Mae) Geri      =          Fußtritt (gerade nach vorn)
Tsuki               =          Fauststoß gerade nach vorn
Gi                    =          Karateanzug
Nukite             =          Auch ein „Faust“stoß gerade nach vorne, nur die Faust ist eine
flache Hand und wird wie ein Messer eingesetzt. Die Fingerspitzen sind die Spitze des Messers. Man sticht zu (Nur ratsam bei weichen Zielen/Körperteilen!).
 
Über 200 Karateka aus Deutschland, Spanien und der Schweiz trafen sich am 22.-25.07. 2010 in Saarburg zum Sommerlehrgang. …
Die Überschriften gleichen sich schon über die Jahre. Wieder ist Murakami für den Sommer-Gasshuku (Lehrgang) nach Deutschland gekommen. Das hat dennoch nichts mit Routine zu tun. Man freut sich jedes Mal über einen Lehrgang mit diesem Ausnahmekarateka. Außerdem war Yamada als Überraschungstrainer angekündigt. Dieser kam aber leider nicht.
 
Donnerstag
Ich betrete die Halle und laufe - wie wahrscheinlich alle - direkt Nagai-Shihan und Murakami Sensei in die Arme. Nachdem ich diese traditionell angegrüßt habe und mit dem ein oder anderen Karateka noch kurz ein Augenzwinkern austausche, entdecke ich einen weiteren Japaner (nein nicht Akio, den kenn ich). Dem Prinzip folgend alles aus Japan muss ein großer Sensei sein, grüße ich auch diesen pflichtbewusst an. In Gedanken verarbeite ich noch, dass der angekündigte Yamada-Sensei damals auf Sylt 198x schon älter aussah und diesem gar nicht ähnlich, frage ich Akio so beiläufig wie möglich, wer denn der dritte Japaner da wohl so sei. Ja das ist Akira, 3. Dan und der besucht den Lehrgang wie Du und ich. OK. Mist. Jetzt habe ich als 5.Dan einen 3.Dan angegrüßt. Hoffentlich hat mich keiner gesehen. Ach was soll´s. Dann war ich einfach mal höflich.
Wie war das jetzt? Der wohnt in Japan und kommt zum Sommer Gasshuku hierhin? Das ist jetzt eine Anreise von wie viel Kilometern? Da muss man sich ja schon quasi schämen für die sechs Stunden Autobahn und die Kurvenhochrunterlandstrasse.
Anhand dieser Tatsache wird sich später abends darüber aufgeregt, dass nicht alle wichtigen Dojos vertreten waren. Gerade die mit weiter Anfahrt würden fehlen.
 
Das erste Training fängt mit halbstündiger Verspätung an und dauert dann nur 45 Minuten. Reine Grundschule mit Tsuki und Geri Techniken zum „warm“ werden bei 35 Grad in der Halle. Mein Gi war nass.
Die Kürze vermutete ich als erzieherische Maßnahme. Denn nach dem Training lies sich Sensei Nagai etwas angesäuert vernehmen, dass man pünktlich zum Training erscheinen soll. Ich habe persönlich die Strafe nicht als solche empfunden. Erlösung ist das Wort, welches mir spontan einfällt. Nichts desto trotz ist hier anzumerken, dass beispielsweise wir um 14:30 Uhr ankamen. 30 Minuten vor dem Training. Dann musste ich eine geschlagene halbe Stunde an der Kasse warten. Als ich endlich dran war, erkannte ich den Zeitfresser. Die Hefte wurden beim Kassieren gestempelt. Das hielt auf. Das wäre im Hinterkopf zu halten für den nächsten großen Lehrgang. Denn was auf dem kleinen Dojo-Lehrgang funktioniert, muss nicht zwingend gut sein, wenn Massenandrang herrscht. So macht man seine Erfahrungen.  
 
Aber das Modell 45 Minuten intensive Grundschule mit Murakami Sensei gefolgt von längeren Einheiten aus Kombination von Sensei Nagai, Murakami, Eugen, Reinhard, Uwe, Toni oder Peter bekam Methode in den nächsten Tagen. Somit wurde einerseits  dem sportlichem und neues übenden Anspruch genüge getan.
 
Inhalte des Trainings der einzelnen Sensei
Zuerst der Gast: Murakami Sensei hatte das Prinzip des Kumite mit Hilfe eines Handtuchs erläutert. Er wies darauf hin, dass die volle Körperdrehung beim Vorwärtsangriff eines Gyaku-Tsukis zwar kräftig aber zu langsam sei. Deswegen sollte diese möglichst nicht eingesetzt werden. Nervös schaue ich mich um was denn unser traditionsbewusste Sensei zu solchen Aussagen meinen würde. Er hatte es wohl nicht gehört. 
Weiterhin erklärte er das Starten der Bewegung ohne Muskeln, sondern nur mit der Verlagerung des Schwerpunkts.
Alles Dinge, die einer Demonstration benötigen, um sie zu verstehen. Insofern war es richtig dabei gewesen zu sein.
Diesen Feinheiten standen Wiederholungen aus dem letzten Jahr gegenüber. Diese betraf die notwendige Lockerheit beim Kampf. Genau betrachtet hat er recht. Die Karatebewegung ist zu 99% schnelle Bewegung, die möglichst aus einem lockeren Körper kommt. Und nur am Ende der Technik steht das letzte eine Prozent Kime, dem Brennpunkt, in dem der ganze Körper für den Bruchteil einer Sekunde angespannt sein muss, um die volle Kraft zu entfalten. Nicht umsonst sprechen 100-Meter-Sprinter nach erfolgreichem Spurt vom „lockeren Lauf“. Auch, wenn man dann bei der Zeitlupeneinstellung diesen Sportler mit tausend angespannten Muskeln und angestrengt verzerrtem Gesicht sieht. Trotzdem ist die Umsetzung die Schwierigkeit und nicht die Theorie.
Auch für seine Grundschuleinheiten hatte er ein paar interessante Übungen für Mae- und Mawashi Geri mitgebracht oder eine gekürzte Heian Shodan, die man aus dem letzten Jahr wieder erkennen konnte.
 
Nagai Sensei hatte bei den Danträgern das Kumite in den Vordergrund gestellt. Wenn auch sein Credo beinhaltete, dass man seitlich ausweichen sollte, um in eine für den Kampf günstigere Position zu gelangen, so finden sich in Aussagen wie „Faust zu“ wesentlich härtere aber auch starrere Kumite-Vorstellungen wieder. Hier wird der Unterschied der Generationen deutlich.
 
Eugen Sensei hatte mit den Danträgern die Gojoshuho Dai exerziert. Sein Lehrinhalt bezog sich auf das Timing und das frühzeitige Drehen des Kopfes in die entsprechende Richtung.
 
Uwe und Toni Sensei nahmen sich die Violett/Braungrutträger vor. Ich war ja nicht dabei und kenn den Inhalt nicht. Meine Schüler kommen mit Blessuren und dem Spruch sie müssten das Fallen üben wieder. Ja, wer den Schaden hat braucht für den Spot nicht zu sorgen. Da haben die Schwaben in die Einheit die Beinschere einfließen lassen. Das ist nichts für Meisterschaften oder die Straße, da die Technik schwer kontrollierbar und damit zu gefährlich ist, aber als Kracher auf einem Lehrgang oder zur Demo, um Zuschauer zu beeindruckend ist sie immer gut. Diese Technik gehört nicht zu meinen Favoriten und wir haben sie wenig oder gar nicht geübt. Wir können das ja noch mal im Dojo üben. Nein, ohne Matten. :-p
 
Dinge am Rande
Am ersten Abend überfallen wir unsere Pensionsmutter mit der Tatsache, dass zu den 7 anwesenden Karatekas noch weitere 8 kommen wollen, um auf Ihrer Terrasse zu grillen. Wir waren so leichtsinnig und haben die Leute von Kamakura und Shimazu (buchstabiert HOJO) eingeladen. Ich warte auf den Tag, wo sie diesen Witz nicht mehr hören können.
;-)) Ein netter Abend.
 
Vorstandssitzung
Am Freitag ging es nach dem Training übermüdet vom Vorabend und völlig ermattet in die Vorstandssitzung. Neben den Terminen für das nächste Jahr musste diesmal der Vorstand entlastet und neu gewählt werden. Leider fehlte Alex zwecks Entlastung des Vorstands. Das wurde am nächsten Tag in seinem Beisein nachgeholt. Etwas unglücklich für meinen Geschmack wurde der Dojo-Leiterlehrgang direkt vorm Sommerlehrgang terminiert. Ich hatte schon dies Jahr urlaubstechnische Schwierigkeiten. Durch diesen Termin wird das sicher nicht besser.
Dann raus und zurück in die Unterkunft, die direkt neben dem Krankenhaus liegt. Jetzt wissen wir auch warum, denn Tobi lies sich dort den rechten Arm verbinden. Den Mae Geri blockt man nicht mit Nukite. Das weiß er jetzt auch, hoffentlich.
 
Lehrgangsparty I
Abends in Freudenburg wurden Brötchen mit Schnitzel oder Phosphatstange an wahlweise Senf oder Ketchup gereicht. Wenn Du nicht schnell genug warst, musstest Du Dich satt trinken. War mir auch recht.
Toni-San erzählte viele kleine Stories aus seinem bewegten Leben. Natürlich ohne jegliche Übertreibung; so was ist ihm einfach fremd. Highlight war die Japanreise 1998 mit Eugen Sensei zu Nagei Senseis Haus. Dort haben die beiden ein kurzes Joggen um den anliegenden See geplant. Dieser gipfelte in eine 3,5 stündige Jogger-Odyssee, die einen Polizei-Such-Einsatz nach zwei Bagga Gaijin (bekloppte Ausländer) hervorrief.
Ich lass das mal kommentarlos stehen.
 
Samstag / Staffellauf
Das Aufstehen wird mittlerweile begleitet von Schmerzen in jedem Muskel. Oder das was von denen übrig geblieben ist. Es tut jedenfalls weh. Eine heiße Dusche hilft beim Vergessen. Aber man duscht halt nur 10 Minuten.
Dann halbes Brötchen und ab zum Joggen. Nachdem das doppelte Lottchen (Gebrüder Ortlieb) in Führung gehen, kann Uwe Sensei seinem Triumphgefühlen nur noch freien Lauf lassen und singt: „So sehen Sieger aus.“. Alles sah nach einem Schäbisch Hall aus.
Wäre da nicht dies Dojo aus Dresden mit Namen Muromachi, die dann frech den Schlussmann überholten und mit klarem 5 cm Vorsprung den Sieg einheimsten. Das Lied verstummte. Die schwedische Gruppe ABBA intonierte dazu einmal: „The winner takes it all, the looser standing small, beside the victory …“. Wir sind in der Kooperation mit Shimazu auf den sagenhaften … räusper ...ten Platz gelandet und konnten das Kapitel erfolgreich beenden. Maxi hat hier noch mal richtig Einsatz gezeigt. Am Tag seiner Prüfung hatte er doch glatt zwei Plätze gut gemacht. Das konnte leider nicht gehalten werden. Die Berge waren schuld und haben Pia und Peter schwindlig gemacht. Pia fand ihre Form allerdings erschreckend schnell wieder als sich ein Telefonat mit Freundin ankündigte (Siehe Bild: Schmetterlingproduktion).
 
Prüfungen
Noch während des Trainings wurden die Prüfungen der Kyu-Grade in einer abgetrennten Halle abgenommen. Danach folgten die Danprüfungen in der Öffentlichkeit. Mich persönlich begeisterte am meisten der Kampf zwischen Sandra und Anja. Sie schenkten sich nichts und am Ende konnte Sandra mit zwei gut platzierten Gyaku Tsukis den Kampf für sich entscheiden. Bei manch einem anderen Kampf fehlte mir die erforderliche Zielstrebigkeit einen Punkt mit der gestarteten Bewegung zu erzielen.   
 
Lehrgangsparty II
Als besonderer und gerne gesehener Gast war Olli-san Samstag eingetroffen. Im Training stand er neben mir und kommentierte dies mit einem Lächeln: „Wie in alten Zeiten vor 15 Jahren stehen wir hier Schulter an Schulter.“
Abends hatten wir lange Gespräche eben über diese alte Zeiten aber auch ernstere über die Zukunft des SKID.
 
Lagerfeuerromanik
Die Abendveranstaltung wurde kurz unterbrochen von einer Feuerspucker-Vorführung am Lagerfeuer. Roys Sohn Sascha zeigte Teile aus seinem Programm „Feuer im Zwielicht“ oder so ähnlich. Dann wurde gesungen und Kata vorgeführt, wobei Stanley sich leider peinlich verlief und von Mario abgelöst wurde. Die Nervösität kann einen manchmal auffressen. Es folgte die Kata Bassai Dai von Maria aus Spanien und einige Reden von dem Bürgermeister und … sonst keinem. Wenn Politiker reden kommt es einem immer länger vor.  Eugen Sensei dankte dem Veranstalter Dojo Uesugi und bat den anwesenden Bürgermeister von Saar- oder Freudenburg um Unterstützung für den Sommerlehrgang im nächsten Jahr. Dieser soll möglichst wieder in Saarburg stattfinden.
 
 
Sonntag
Früh raus zum Training um 10:00 Uhr. Ich kann noch mal alles geben und tue das auch, denn irgendwie bin ich aggressiv.
Mich ärgern die Schatten der ungelösten Aufgaben des SKID, die auch hier nicht richtig zur Sprache gekommen sind. Wir bewegen uns in einer sich weiterdrehenden Welt, die durch Entwicklung Einfluss auf Traditionen nimmt. Zudem gibt es ganz sachliche Themen wie der Mitgliederschwund oder die irgendwann anstehende Nachfolgeregelung für Sensei Nagai. Hier gibt es keine Konzepte oder sie sind mir nicht ersichtlich.
Diese Sommerlehrgänge bieten die Chance offen und gemeinsam mit den Dojoleitern aus allen Regionen Deutschlands die Probleme zu diskutieren und nach Lösungsansätzen Ausschau zu halten. Aber letztlich findet die Hauptversammlung (HV) weniger Zeit und Energie als der Staffellauf am Samstag morgen. Die meisten Dojoleiter sitzen bei der HV verschwitzt und ausgepumpt vom Training beim morgentlichen Staffellauf aber frisch gestärkt vom Schlaf, einer morgendlichen Dusche und einem guten Frühstück.
Allein da würde ich den ersten Hebel ansetzen.
TOMO = Gemeinschaft
 
TOMO TRAINING in 2017 und 2018

11.11.2017: Taiyo (Herford)
20.01.2018: HOJO (Beelen/Gütersloh)
21.04.2018: YODO (Ostbevern)
23.06.2018: TOMO CUP
10.11.2018: Taiyo (Herford)
Genaueres unter Termine!
Sensei Shugo: Münsterland / OWL
 
Regionales Dojoleiter-Treffen (4):

Wann: Dezember 2017
Wo: Münsterland / OWL
TOMO CUP
 
Ausrichter: Dojo noch in Klärung
Ort: noch in Klärung
Datum: 23. Juni 2018
 
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