Kommentar DM Leipzig 2009
34. Deutsche Meisterschaft im Karate des S.K.I.D. Shotokan Karate International Deutschland

Der Kommentar eines Schiedsrichters

Du fährst Freitagabend 400 Kilometer über die A2 Richtung Osten. Das Ziel Leipzig fest vor Augen und eskortiert von der halben polnischen Bevölkerung brauchst Du dafür kaum 6 Stunden. Damit ist der Einstieg ins Wochenende schon mal geglückt.
Nun ja, am Ende der Fahrt wartet immerhin eine Turnhalle auf Dich, die Dir reichlich Platz und somit Intimität für eine Übernachtung bietet. Ein letzter Blick auf die schöne Decke des historischen Gebäudes und Du reihst Dich ein in den Chor der Schnarcher.

Luftmatratze und Rückenprobleme sind keine wirklichen Freunde. Schon im normalen Bett spürst Du morgens Deinen Körper; das ist mit zunehmenden Alter nunmal so. Spürst Du dann eines Morgens mal nichts mehr, bist Du tot. Um Dein Gesicht vor der mitgereisten Jugend nicht zu verlieren, schluckst Du die Schmerzen runter. Na, hoffentlich gibt es wenigstens in erreichbarer Nähe den lebensnotwendigen Kaffee. Mit der Hoffnung stehe ich nicht ganz allein. Ein Schüler fragt mich fast vorwurfsvoll, wo es denn jetzt was zu frühstücken gäbe.  … Reiz mich nicht vorm Frühstück. … Als wäre ich der einzige, der eine Ausschreibung im Internet lesen könnte.
Nun, an der Halle, wo sich an diesem Tage Alles entscheiden soll, gibt es einen kleinen Imbiss. Als Schiedsrichter kriegst Du einen Streifen Essenmarken, was die Bezahlung für Deinen Tageseinsatz ausmacht. Das reicht dann für 2 Brötchen mit Kaffee und mittags 2 Portionen Würstchen. Wasser ist gratis am Kampfrichter-Pool, ´ne Cola oder Fanta muss Du selber zahlen. Wo nehm´ ich Trottel eigentlich diesen Idealismus her, um das jedes Mal auf´s neue mit zu machen?
 
Viel Zeit für diese morgendlichen Gedanken oder zum Tratschen mit den vielen bekannten Gesichtern bleibt nicht. Die Hauptkampfrichter müssen sich für den Tag abstimmen. Ich liebe einen hektischen Morgen mit vom zu heißem Kaffee verbrannter Schnau … . 
Schön ist, dass wieder mal nicht alle angereisten Schwarzgurte dem Aufruf gefolgt sind sich als Kampfrichter zur Verfügung zu stellen. Ehrlich gesagt, könnte ich auch gerne auf diesen Dienst an der Allgemeinheit verzichten und einfach nur meine Leute coachen. Das fänden die sicherlich auch besser. Aber so müssen sie sich ohne den gutgemeinten väterlichen Rat - an der Kampffläche rausgebrüllt - selber über die Runden bringen. Dem einen gelingt´s, dem anderen nicht.

Die Vorrunden der Nachwuchsmeisterschaft beginnen und die eingerosteten Abläufe und Befehle müssen wieder reaktiviert werden. Einmal verzähle ich mich mit den roten und weißen Flaggen und so muss ein 12 jähriger Steppke im Stechen seinen verdienten Sieg erneut bestätigen. Ein Kampfrichter muss eben wie die Kämpfer erst warm werden.  

Aber warum schreibe ich eigentlich diesen Kommentar? Am Ende des Tages als die Endrunden stattfanden und die Kämpfe spannender werden, ist ein Karateka mit der Bewertung der Kampfrichter nicht zufrieden und verlässt kopfschüttelnd, grußlos und ohne das Ende des Kampfes abzuwarten den Pool. Es braucht eine Schrecksekunde bis alle begreifen was da gerade passiert ist, wo eigentlich jeder noch wartet, dass der Kämpfer zurück in den Pool kommt.

Ich hätte mich das in meiner aktiven Laufbahn niemals getraut. In den Endrunden werden nur die hochdekoriertesten Kampfrichter des Verbandes eingesetzt. D.h. 25 - 35 Jahre Karate auf dem Buckel, 4.-6.Dan und häufig selber Exkader und WM-Teilnehmer. Und dem Urteil dieser Riege hat er nicht getraut. Mehr noch. Er fand es so schlecht, dass er ohne jegliche Respektsbezeugung weder an den Kämpfer vor ihm, den erwähnten Kampfrichtern, dem Schirmherrn und Hauptkampfrichter Sensei Nagai und den anderen Karateka im Saal den Kampf einfach verlies. Das schlimme daran: es war ein Kadermitglied und damit gehörte er zu den Aushängeschildern das SKID. Er sollte eine Vorbildfunktion innehaben und diese gilt im SKID nicht nur sportlich, sondern auch charakterlich auszufüllen. Im letztgenannten hat er mehr als versagt. So was bleibt nicht ohne Konsequenzen und der Ausschluss aus dem Verband fand Zustimmung.  

Dies Ereignis hat im Nachhinein trotz eines sehr schönen und spannenden Kumite-Finalkampfes zwischen Hannes und Roman alles andere übertönt. Bei den kurzen Gesprächen mit anderen Karateka über das Ereignis hatte sich ein Schwarzgurt wie folgt geäußert: “Ja es gab ja heute so einige Fehlentscheidungen der Kampfrichter.“. Da er nicht direkt meine Person von dieser Äußerung ausschloss, muss ich wohl davon ausgehen, dass er mich ebenso meinte. Letztendlich kann ich damit leben, wenn ein 1. Dan mit meiner Meinung nicht übereinstimmt. Ich habe als mittlerweile 5.Dan das Selbstbewusstsein voll und ganz hinter meinen Entscheidungen zu stehen, auch, wenn ein 1. Dan diese nicht direkt nachvollziehen kann. Zumal dieser sich noch nie als Kampfrichter zur Verfügung gestellt hatte und keine Erfahrung auf diesem Gebiet mitbringt.  
Trotzdem deprimieren solche Aussagen. Du fährst 800 km durch die Gegend, übernachtest in Turnhallen, erhältst kein Benzingeld geschweige denn eine Bezahlung als Kampfrichter und das mit der Anerkennung verdreht sich ins genaue Gegenteil.

Ja, so macht Karate Spaß.
TOMO = Gemeinschaft
 
TOMO TRAINING in 2017 und 2018

11.11.2017: Taiyo (Herford)
20.01.2018: HOJO (Beelen/Gütersloh)
21.04.2018: YODO (Ostbevern)
23.06.2018: TOMO CUP
10.11.2018: Taiyo (Herford)
Genaueres unter Termine!
Sensei Shugo: Münsterland / OWL
 
Regionales Dojoleiter-Treffen (4):

Wann: Dezember 2017
Wo: Münsterland / OWL
TOMO CUP
 
Ausrichter: Dojo noch in Klärung
Ort: noch in Klärung
Datum: 23. Juni 2018
 
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