Ein Donnerstag in Warendorf
Ein Donnerstag in Warendorf
Als ich mit Karate anfing, war Michael ein stetiger Begleiter, Freund, Trainingspartner und Konkurrent. Wir trainierten zusammen und hörten die alten Scheiben von The Cure; niederdrückende, düster-melancholische Musik. Jetzt höre ich das Album Pornography und gleite hinab in einen Trance-ähnlichen Zustand.
Die Bilder vom Donnerstag sind mir vor Augen. Ein alter Mann wartet auf der Dr.-Leve-Straße in Warendorf vor dem Sitzungssaal 1. Mit ihm stehen 50 weitere Personen. Nur wenige kenne ich. Wer sind die anderen? Eine Schulklasse der DEULA, die Laien-Schöffen ausbildet - wird vermutet. Jetzt denkt man bei Schulklasse an junge Rotznasen. Das ist hier anders. 95% Männer im Alter von 30 bis 65.   
Wir betreten den Sitzungssaal. Die Karateka gehen mit den 50 rein. Die drei Mädchen, die die Kraft hatten zu kommen, sitzen versteckt in der Ecke hinter mir. Ein Herr in roter Hose, Turnschuhen und Strickjacke nähert sich. Wir tauschen Blicke. In mir. Kälte. Verachtung. Dann gehe ich vor, um nicht in seiner Begleitung den Saal zu betreten. Distanz. Wirft er noch einen Blick hinter uns in die Ecke?
Die Plätze werden eingenommen. Die Mädchen – mittlerweile Frauen – sitzen mit uns bei den Zuschauern. Ich sitze am Eingang in der Ecke und kann alles überblicken.
Herr N wird aufgerufen auf der Anklagebank, bestehend aus Stuhl mit Tisch, Platz zu nehmen. Befragungen zur Person und dem Einkommen. Dann die Verlesung der Anklage. Der Staatsanwalt ist offensichtlich so viel Publikum in Verbindung mit diesem prekärem Thema nicht gewohnt und stottert sich etwas zurecht. Eins der Mädchen zittert am ganzen Körper. Der Angeklagte versteckt sich hinter „ich kann mich nicht erinnern“, damaligen Alkoholproblemen und dem Tisch. Die Stimme ist brüchig und den Tränen nah. Ehrlich oder wie so oft nur Schauspiel? Zu oft haben wir das nicht unterscheiden können. Unerträglich.
Einige Details sind nicht korrekt und werden ihm zum Vorteil ausgelegt. Kopfschütteln beim Publikum, welches nicht nur Publikum, sondern auch Betroffen - Opfer - ist. Nicht nur ich will laut aufschreien und dazwischen gehen.
Das würde alles gefährden. In den deutschen Gerichten ist vieles anders als in den amerikanischen Blockbustern oder im deutschen Vormittags-Volksverdummungs-Fernsehen.
Von der Dunkelziffer haben es 13 Protokolle bis zum Anwalt geschafft. Von diesen ist rechtskräftig verwertbar: eins. Unsere letzte Hoffnung auf Gerechtigkeit.

Dann kommt das Urteil. Es wird von beiden Seiten akzeptiert.

Das Urteil. Zu milde. Keine Frage. Aber ein Sieg. Es ist amtlich. Vorbestraft. Wie viele schaffen es nicht bis hierhin? Und Gott sei Dank ist keine Zeugen- oder Opfer-Befragung notwendig.
Endlich kann man einen Schlußstrich ziehen. Können die Mädchen das auch? Ein zart-bitterer Geschmack liegt im Mund. Daher wohl der Name des gemeinnützigen Hilfsvereins.
Eins der Mädchen zittert immer noch.
 
TOMO = Gemeinschaft
 
TOMO TRAINING in 2017 und 2018

11.11.2017: Taiyo (Herford)
20.01.2018: HOJO (Beelen/Gütersloh)
21.04.2018: YODO (Ostbevern)
23.06.2018: TOMO CUP
10.11.2018: Taiyo (Herford)
Genaueres unter Termine!
Sensei Shugo: Münsterland / OWL
 
Regionales Dojoleiter-Treffen (4):

Wann: Dezember 2017
Wo: Münsterland / OWL
TOMO CUP
 
Ausrichter: Dojo noch in Klärung
Ort: noch in Klärung
Datum: 23. Juni 2018
 
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