★ Sommer-Gasshuku 2008

Prüfung zum 5. Dan

beim

Sommer-Gasshuku 2008, Leinzell (Schwäbisch-Gmünd)

mit Bundestrainer Akio Nagai Shihan, 8.Dan

und Manabu Murakami Shihan, 6. DAN

Ein Bericht aus meiner Brille

 

Donnerstag

Am Donnerstag morgen ging es los. Thomas und Tobias standen punkt 09:00 Uhr vor der Tür; ausgestattet mit Trainingsklamotten und reichlich Magnesiumtabletten. Nach entspannter Fahrt und Mittagessen 100 km vor Leinzell kamen wir in der warmen Halle an. 33 Grad Celsius Außentemperatur sind gut für´s Freibad aber in der Halle stickig und mörderisch. Das blieb auch so über den gesamten Lehrgang. So brauchte man sich wenigstens nicht umstellen.

Das Training wurde hauptsächlich von Murakami Sensei gestaltet; zumindest für die Danträger. Am ersten Tag war es geprägt von Kihon-Techniken. Bei den Mae-Geri Techniken stieg in mir die Angst hoch wieder Probleme mit dem Rücken zu bekommen. Während der Vorbereitung auf die Prüfung hatte ich mir eine ziemliche Verspannung geholt und musste mein Training aussetzen. Glücklicherweise bestätigte sich das für den Rest des Lehrgangs nicht und ich wurde jeden Tag selbstbewußter, was den Rücken angeht. Das sind die Zipperlein, die man im Alter hat, und denen ein junger Mensch immer ahnungslos gegenübersteht.

Die 2. Einheit bestand aus Kihon Übungen mit Partner. Murakami teilte uns dann auch gleich mit, was für Ihn das wichtigste an der Partnerübung ist: die Distanz. So geschrieben ist das keine große Weltneuheit. Auf seine vorher gestellte Frage hätte sicher jeder ähnliches geantwortet. Aber Murakami transportiert mit seinen Worten immer eine solche Intensität, dass keine andere Antwort hätte präziser sein können. Er bringt es einfach auf den Punkt; eine Art verbaler Kime (Focus). Sieht man dann dazu seine Bewegungen, fragt man sich, ob es wirklich die gleiche Sportart ist, die man selber betreibt.

Am ersten Abend haben wir dann lecker gegrillt mit den Kamakura-Karateka aus den umliegenden Dörfern von Münster und Warendorf. Das sind dann so klingende Namen wie Einen, Telgte, Wolbeck und Handorf.  Die haben dort kaum einen einzigen Einwohner mehr in den Käffern sind aber immer hübsch über Beelen am lachen, jaja. Gut, Telgte als alte Wallfahrtsstatt hat natürlich schon was, das wusste sogar schon Günter Grass. Da kann so´n B64 Dorf wie Beelen natürlich nicht mithalten. Dafür hat Beelen aber „Krach am Bach“, 5 Ampeln auf 2 km Dorf-B64-Strecke und eigentlich Ganzjahresschützenfest. Ich sag mal Ausgleich: 1:1.

(Anmerkung: Die Themen bei so einem alkoholgeschwängerten Grillfest sind immer hochgeistig und definitiv wert für die Nachwelt erhalten zu bleiben.)


Freitag

Dafür fing gleich der nächste Tag gut an; die Nervösität als ständiger Begleiter. Während die anderen Joggen waren, trainierten Tobias und ich auf unserem Dreibett-Zimmer, um noch den Feinschliff für die Prüfung zu erhalten. Steiling lag ganz entspannt auf dem Ehebett und sonnte sich in unserer operativen Hektik – immer für´nen lockeren Spruch zu haben. Nun, er macht nächstes Jahr seinen NiDan. Die Rache wird mein sein.

Das Training startete wieder mit Kihon-Übungen, die ins Kumite übersetzt wurden. Für die Oberstufe wurde dann eine reine Kumite-Einheit eingelegt, die sich besonders auf die Lockerheit der Bewegungen konzentrierte. Murakami´s O-Ton: „You are strong enough in Germany. Be quick!“, und dann demonstrierte er, was er damit meinte und überbrückte locker mehrere Schrittlängen zum Partner, um mit Kime zu zuschlagen. Die Frage bleibt "Wie mache ich das nach?".  

Für die 2. Einheit wurden die Danträger von Murakami getrennt trainiert. Gojoshiho-Dai / Sho und die Bassai Sho wurden detailliert geübt. Allerdings hatte mich das für meine anstehende Prüfung mehr irritiert als gefestigt. Ralf Köchl von Kiyomasa, der 2. Anwärter auf den GoDan, empfand es nicht anders. Er bemerkte nur trocken: "Jetzt habe ich die ganze Zeit darauf geachtet nicht die von Murakami erwähnten Fehler zu machen und bin ganz aus dem Rhythmus gekommen. Bis ich dann bemerkte, dass ich die Fehler gar nicht mache.". Er sprach mir aus der Seele.

Den Abend verbrachten wir in kleiner Runde beim Sensei mit den Dojo´s Nobunaga und Taira. So konnte ich das ein oder andere Wort mit Murakami Sensei wechseln und erfuhr, dass auch er zwei Söhne hat, gerne Schnaps mag, deutsche Knackwürstchen und Ihn sein Weg nach dem Lehrgang erst nach St.Pertersburg/ Russland und dann nach Nottingham/England führt.

Gesprochen wurde auch intensiv über das Fehlen vieler bayrischer Karateka, was mit Unmut zur Kenntnis genommen wurde. Man darf gespannt sein.


Samstag:  Prüfungstag

Man versucht die Nervösität auf ein Level zu halten, dass einen nicht um den Verstand bringt. So sind wir vormittags erst Eis essen und dann spazieren gegangen. Man tut halt ganz entspannt. Die Ruhe selbst. Aufgeregt: Ach, Iwo.

Zwischendurch habe ich mich dann doch erwischen lassen, wie ich heimlich mal wieder die Gojoshiho-Sho übte. (Bloß nichtstehen bleiben. Bitte kein Balckout!)

Dann beim Training immer der Gedanke daran nur nicht noch die Muskeln zu übersäuern. Etwas schwierig, wenn Nagai Shihan hinter einem steht. Die Halle ist so groß, warum muss der gerade hier stehen? Dann auch noch Partnertraining.

Und immer diese Gedanken. Was kommt denn gleich? Muss ich das Prüfungsprogramm zum 3.Dan mitmachen oder kommt noch eine andere Überraschung auf mich zu. Gestern hörte ich zufällig wie Akio erzählte, dass er es für möglich hält, dass auch ein anderes Danprogramm genommen werden könnte. Mit leerem Blick wurde mir klar, dass dann meine Vorbereitung im Eimer sei. 

Pause. Bald geht es los.

Ich bin mehr als nur angespannt.

Gereizt.

Mich spricht einer an. Ich sag stumpf:“Lass  mich in Ruh´.“ Mmmh, nicht sehr höflich. ( Hitotsu, .... Du sollst üble Gefühlsausbüche...) Und so entschuldige ich mich noch schnell.

Dann geht es endlich los. Ich werde nach Thilo Wolf (Yondan) aufgerufen und nach mir dann Ralf Köchl (Godan). GoDan! Go

Es kommt das erwartete 3.Dan-Programm. Bis auf die 2.Standübung – 25.000 Geris in alle unmöglichen Richtungen - komme ich mit allem ganz gut zurecht. Bei der ersten Standübung mit Yoko Geri Keage habe ich sogar das Gefühl einen schönen hohen Geri zu machen. Zumindest hat mir Uwe Sensei in seiner unvergleichlichen Art später seinen Respekt gebrüllt: “Der Yoko Geri ... der Yoko Geri .... .". Wenn der Mann nur noch drei Worte dazu raus kriegt, dann muss er gut gewesen sein. Ausserdem hing meine Schulter nach der Begegnung mit ihm einen halben Meter tiefer.

Die Kata: Sochin. Ein Weihnachtsgeschenk. Wenn es eine geile Kata gibt, dann Sochin. Klein, gemein und kraftvoll. Ein wundervoller Yoko Geri mit voller 180-Grad-Drehung. Diese Bewegungen liebe ich.

Danach muss Thilo noch mal ran. Ich hole Luft wie ein Blasebalg und bin froh nicht direkt die nächste Kata auflegen zu müssen. Er macht Nijushiho. Ehemals meine Lieblingskata, wenn man sowas haben darf.


Dann muss ich noch mal und höre "Tokui Kata". Wie Tokui Kata? Ich darf mir was aussuchen? Seid wann das? Nijushiho. Nein, die hat Thilo gerade gemacht. Und jetzt? Was macht man zum  5. Dan. Gojushiho Dai. Mist, da habe ich mich so oft verhampelt mit diesen immer gleichen aber doch etwas anderen Abläufen aus
der Gojushiho-Sho.

Und so kommt es auch. Es hat keiner gesehen. Dessen bin ich mir sicher. Nur eine kleine Bewegung war nicht da wo sie hingehörte. Zwar aus der Kata und auch richtig gemacht aber leider nicht an der Stelle. Aber die Prüfer haben aufgepasst und so darf ich nachdem auch Ralf die Gojushiho-Dai etwas zu frei interpretiert hat nachmal antreten. Diesmal ist es mir egal und ich gehe auf Nummer sicher: Nijushiho. Gut, die hat geklappt.

Dann noch Kumite. Natürlich muss ich alter Sack zweimal ran. Das Glück bleibt mir hold. Nachdem alle Danprüflinge sich dann aufstellen dürfen, sollen wir noch gemeinsam die Enpi (Schwalbenflug) machen. Aber meine Schwalbe fliegt nicht mehr so hoch, wie es eigentlich sein sollte. Das kriege ich dann den ganzen Abend auf der Lehgangsfeier mit einem immer breiter werdenden Grinsen von Toni-Sensei hübsch auf´s Butterbrot aufgeschmiert: "Aaaahhhh, `No-Enpi-Sensei´kommt. Deine Schwalbe wollte wohl nicht mehr so recht fliegen, gell?".  

Und vom Ende der Prüfung über die Lehrgangsfeier bis in den späten Abend/frühen Morgen nehme ich viele nette Worte und Glückwünsche entgegen. Uwe brüllt mich an: "Den Dan hast Du gemacht, nicht nur einfach die Prüfung. Den Dan hast Du gemacht Sumo.“. Manch einer war wohl überrascht, dass ich mich mit meinem Gewicht noch so bewegen kann. Manche lieben Worte möchte ich hier nicht hin schreiben, weil sie leise ausgesprochen auch nicht hier hin gehören.

Aber eines bleibt. Ich habe die Gojushiho-Dai versaut. Kleiner Fehler hin oder her. Ein altes Kadermitglied macht sowas nicht. ...


Sonntag: The day after

Der Schädel brummt. Durst. Wasser trinken. Der Magen fühlt sich komisch an. Nur langsame Bewegungen.

Beim Frühstück ist Steiling so gut gelaunt wie ein Fisch im Wasser. Wär ich nicht halbtot, dann würde ich ... .

Der Kaffee schmeckt so komisch. Der Saft gar nicht. Erst mal auf Toilette. Dann Händewaschen. Leicht nach vorne beugen zum Wasserhahn. Das gefällt mir gar nicht. Und schon passierts. Alles lasse ich mir nochmal durch den Kopf gehen; das ganze Frühstück. Also mehrheitlich Wasser und Kaffee. Jetzt geht der Magen wieder.

Beim Training darf ich dann die Gymnastik machen. Bloß nicht hüpfen. Bloß nicht hüpfen!

Rate mal wer Training gibt? Nagai Sensei macht uns noch ein Abschiedsgeschenk. Und er hat uns wirklich lieb. Und so stehen wir völlig neben der Spur zusammen aber glücklich. Wir leben ja noch.

Die Heimfahrt ist ein Kinderspiel. Steiling fährt. Wer so gut gelaunt ist, muss fahren. Ich schnarche und träume von der perfekten Gojushiho-Dai.    

 

TOMO = Gemeinschaft
 
TOMO TRAINING in 2017 und 2018

11.11.2017: Taiyo (Herford)
20.01.2018: HOJO (Beelen/Gütersloh)
21.04.2018: YODO (Ostbevern)
23.06.2018: TOMO CUP
10.11.2018: Taiyo (Herford)
Genaueres unter Termine!
Sensei Shugo: Münsterland / OWL
 
Regionales Dojoleiter-Treffen (4):

Wann: Dezember 2017
Wo: Münsterland / OWL
TOMO CUP
 
Ausrichter: Dojo noch in Klärung
Ort: noch in Klärung
Datum: 23. Juni 2018
 
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