★ Es war einmal ... meine erste Prüfung

Mein erstes Mal  ... also die Prüfung

Die Holländer hatten Nagai Shihan zum Lehrgang eingeladen und so fuhren wir über die Grenze. Samstags war die Prüfung, weil es abends Freibier gab. Wir Deutschen waren auf Sonntag eingestellt und bemerkten viel zu spät, was vor sich ging. Reinhard Sensei rief dann, dass er auch einen Gelbgurtanwärter hätte. Ich dachte noch „sei doch ruhig, sonst stehe ich morgen ganz alleine da". Hellseherische Fähigkeiten! Wohlgemerkt ich war Weißgurt und es ging um meine erste Prüfung.

Alle anderen absolvierten ihr Programm an diesem Samstag. Mit der entsprechend guten Stimmung im Rücken tranken abends beim Freibier alle, was das Zeug hielt. Ja schon klar - eben nicht alle.
Da ich noch kein Auto besaß und mich sowieso nicht auskannte, war ich zum Ende des "lustigen" Abends auf fremde Fahrdienste angewiesen. Der Fahrer eigentlich auch; er lies sich aber nicht davon abhalten das Steuer selber in die nicht mehr treffsicheren Hände zu nehmen. Die Fahrt war ... mmh ... abenteuerlich ... naja, ich lebe noch.

Hallenübernachtung 
Wie das so ist; wir waren nicht die letzten. Die Eckkneipe hatte wohl noch geöffnet. Einem Holländer taten die langen Öffnungszeiten nicht gut. Er musste sich übergeben. Nicht mehr ganz Herr seiner Sinne strauchelte er auf dem Weg zur Toilette. Beim Zwischenstopp in der Turnhalle versprühte er sein Innenleben an die Wand. Dort hing verhängnisvoller weise die Jacke meines Karate-GI. Nach genügend Einwirkzeit - also, als ich am nächsten Morgen erwachte, meinen gesprenkelten GI und einen ungewohnt strengen Geruch wahrnahm, wurde mir gewahr, was sich in der Nacht zugetragen haben musste. So tat ich was ich tun musste. Als wohl einzig verbliebender Weißgurt - die Prüfung war ja gestern - stellte ich mich breitbeinig und lauthals in die Halle und fragte, wer das denn wohl gewesen sei. Es meldete sich eine mit offensichtlichen Kopfschmerzen geplagte müde Gestalt, der ich dann unmissverständliche Anweisungen gab, den GI zu säubern. Nun konnte er diesen kaum waschen, so kurz vorm Training. Also bürstete er mit einem rasch besorgten Handfeger das Gröbste ab. ... und später in der Umkleide band er seinen schwarzen Gürtel um.

Geruch lässt sich nicht ausbürsten.

Ich zog also zum Training diesen Karate-GI an. Erstaunlicher weise war der Geruch nun nicht mehr so schlimm – es mag die erste Gewöhnung eingetreten sein. Da ich aber der einzig verbliebende Weißgurt war, stand mir der Platz ganz links in der Halle zu. Den machte mir nun keiner streitig. Einsam ... sehr einsam. Lag es am weißen Gürtel?
 
Mit Trainingsstart begann auch der Schweiß zu fliessen, der sich nun in chemischer Verbindung mit dem  ... wie wollen wir es nennen? ...  verband. Ich habe mich noch nie so gern bewegt, wie damals, denn sobald ich stehen blieb und die Dämpfe von unten nach oben stiegen … .
Lassen wir das. Hier werden Erinnerungen wach, die ich wohl verborgen dachte. Damals gab es noch nicht das Blitzdings der MIBs (Man in Black).

Aber das schönste kam ja erst noch; die Prüfung stand mir ja noch bevor. Nun war der Lehrgang zu Ende und alle dachten daran sich schnell zu duschen und um zu ziehen. Die Halle war leer. Nein. Nicht ganz. Da vorne saßen noch Reinhard Sensei und Nagai Sensei.
Reinhard Sensei wird etwas besorgt gewesen sein, weil er nun mit einem einzigen seiner Schüler, einem Weißgurt, die wertvolle Zeit des Shihans stahl. Davon merkte ich natürlich nichts. Ich war so nervös, allein dort zu stehen - im vollgekotzten GI – und vergas dann auch den ersten Kiai nach dem dritten Eu Tsuki vor im Zenkutsu Dachi. Nagai Sensei verzog keine Miene und sagte nur trocken: "Kiai". Für mich brach die Welt zusammen. Mein erster Gedanke „durchgefallen". Angespornt dadurch wendete ich kraftvoll  und brüllte auf dem Rückweg inbrünstig bei jeder Technik einen Kiai. Ich fühlte mich deutlich besser, wo ich doch jetzt alles richtig gemacht hatte – und zwar doppelt und dreifach. Nach der erneuten Wendung hatte sich der Ausdruck in Sensei Nagais Gesicht allerdings nicht geändert. So setzte ich etwas konsterniert zum dreimaligen Age Uke Gyaku Tsuki an – ohne finalen Kiai. Dem folgte erneut ein trockenes „Kiai" vom Shihan.

Nun, was soll ich sagen. Wenn Du erstmal den Mühlstein um den Hals gehängt bekommen hast, lässt sich schlecht schwimmen. In Folge purzelten die Kiai unregelmäßig hie und da aus mir heraus; vielleicht sogar versehentlich an richtiger Stelle.

Es war ein Desaster.

Als dies nun endlich vorbei war, blickte Nagai Shihan zu mir und sagte: „Kein A aber B+. In zwei Jahren guter Karateka.". Eigentlich kann man das als Lob nehmen ... aber zu der Zeit hatte ein Kumpel zu mir immer gesagt, wenn mir etwas misslang: "Stucky, in zwei Jahren klappt das." .

Auf dem Heimweg im Auto, war ich in mich gekehrt, nachdenklich und recht still. Das war also der Anfang meiner Karatekarriere. Es hätte mir eine Warnung sein sollen.

 

TOMO = Gemeinschaft
 
TOMO TRAINING in 2017 und 2018

11.11.2017: Taiyo (Herford)
20.01.2018: HOJO (Beelen/Gütersloh)
21.04.2018: YODO (Ostbevern)
23.06.2018: TOMO CUP
10.11.2018: Taiyo (Herford)
Genaueres unter Termine!
Sensei Shugo: Münsterland / OWL
 
Regionales Dojoleiter-Treffen (4):

Wann: Dezember 2017
Wo: Münsterland / OWL
TOMO CUP
 
Ausrichter: Dojo noch in Klärung
Ort: noch in Klärung
Datum: 23. Juni 2018
 
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